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Windhaag bei Perg

Kultur und Geschichte

Vor 335 Jahren fügte der damalige Graf Joachim Enzmilner als Besitzer des Schlosses Windhag, die Waffenbestände der dortigen Rüstkammer zur allfälligen Verteidigung zu gebrauchen. Die damit verbundene Ausrüstung einer Schlosswache im Jahr 1662 gilt somit als Gründungsjahr des daraus entstandenen Bürgerkorps.

Im Jahr 1785 erfolgte die tatsächliche Gründung eines Schützenkorps, das am 03.08.1885 sein 100-jähriges Bestehen feierte.

Die Burg Windhaag, die 1290 mit Freitel von Windhaag bekundet ist und wahrscheinlich auch in dieser Zeit erbaut wurde, war bis 1379 in ihrem Besitz.

Enzmilner-Wappen

Laut kaiserlichem Diplom vom 26.07.1630 wurde Joachim Enzmilner das alt ererbte väterliche Wappen neu verliehen und mit adeligen doppelten Helmen verbessert. Am 25.06.1640 wurde vom Kaiser Ferdinand III. am Rechstag zu Regensburg gestattet, das Pragerische Wappen als Herzschild in sein Wappen aufzunehmen. Mit der Erhebung in den Freiherrnstand am 09.12.1650 wurde auch sein Wappen mit drei offenen Helmen und zwei Herzschilden vermehrt.

Andreas von Prag (Sohn von Laßla Praga und Anna, geborene Fux von Fuxberg), geboren 1514, ließ im Jahr 1564 das Schlösschen Pragtal erbauen. Die Bauern im Krottental und Aichet wurden dazu abgestiftet, die Gründe zusammengezogen und so der Grundbesitz für die Mayrschaft (heute Bauern in Pragtal) des neuen Schlosses gewonnen. Zum Bau des Schlosses wurden die Quadersteine der öden Burg Mitterberg verwendet. Der Bau war ein stockwerkhoher Vierkant, an jedem Eck ein Rondell und außen von einem Erdwall umgeben.

Zum Schlösschen gehörten außer der Maierschaft mit großen Grundbesitz auch ein Ziegelofen und Weingärten in der Umgebung. Die Ziegel zum Kloster- und Kirchenbau Windhaag wurden in Altenburg gebrannt. Das Schloss Pragtal wurde jedoch ein Opfer des Klosterbaues. Wegen dem Mangel an Steinen ließ Eva Magdalena das Schlösschen bis auf einen kleinen Bestand (Untertanhäusl) abbrechen und verkaufte es später einem Weber. Heute ist das Gebäude im Besitz der Familie Reindl in Pragtal Nr.6 (vlg.Schanzbauer). Nur mehr die Schlossschanzen lassen den Umfang dieses Landgutes der Prager erkennen.

  • Eine Hauptzier des neuen, dreistöckigen Schlosses waren:

  • Die Gemäldegalerien.

  • Die Schlossbibliothek mit 16.000 Werken.

  • Kunstsammlung mit Edelsteinen, Uhren, Mineralien, Vogeleier, Wappensammlung, Münzkasten mit 600 Fächern und 19.500 Münzen.

  • Rüstkammer mit wertvoller Waffensammlung.

  • Werkzeugkammer für Bildhauer, Goldschmiede, Buchbinder usw.

  • Apotheke reich eingerichtet mit Laboratorien.

  • Römersaal mit rotem und weißem Marmor gepflastert.

Die Wohnräume und Herrschaftszimmer waren mit kunstvollen Stuckdecken ausgestattet. Die Fußböden mit wertvollen türkischen Teppichen belegt. Im Schlafzimmer befand sich ein schöner vergoldeter Altar. Natürlich gab es eine Badeanlage zum Schwitzen und Lustbaden.

Außerhalb des Schlosses lieferte ein gut eingerichtetes Brauhaus den nötigen Trank und für die Küche sorgten ein großer, gewölbter Meierhof (heute Fam. Schützeneder/Moar).
Ein Tiergarten mit einem Schildkrötenteich und zehn Fischteiche waren ebenfalls vorhanden. Zum Lustwandel lud ein großer Lustgarten mit Häuschen und Springbrunnen ein. Auf der Anhöhe nördlich des Schlosses stand eine
Gloriette, die eine wunderbare Fernsicht in die südliche Landschaft bot.

Das von Enzmilner in Windhaag geschaffene Werk spiegelte seinen Geist und seine Mentalität wieder. Als Kind seiner Zeit war er dem Barockgeist ganz ergeben.
Durch Fleiß, Energie und Tatkraft hatte er es in der weltlichen Karriere sehr weit gebracht. Er glaubte, ein Werk geschaffen zu haben, das die Zeiten überdauern werde.

Nach dem Tod von Enzmilner im Jahr 1678 erbte seine Tochter Eva Magdalena das alte und das neue Schloss.
Als Nonne war sie mit dem prunkvollen Leben ihres Vaters nicht einverstanden und das von ihm eingerichtete Kloster im
alten Schloss war außerdem zu klein.
Eva Magdalena ließ das Prunkschloss restlos bis auf die Grundmauern abtragen und baute westlich auf der Anhöhe (heute Ortskern) ein neues Kloster auf.

Viele Kostbarkeiten wurden auch verkauft. So drei Brunner des Schlosses: einer steht auf dem Stadtplatz in Steyr, einer auf dem Marktplatz in Königswiesen und ein Brunnen steht in einem Bauernhof in Ebelsberg.